Aus Mosaiksteinen formt sich ein Bild
Erhard Bus erstellt DRK-Chronik/Zeitzeugen ergänzen historische Fakten
Gelnhausen (woe). Vor eineinhalb Jahren übernahm der Historiker Erhard Bus den Auftrag, eine Chronik für den DRK-Kreisverband Gelnhausen zu erstellen. Die Ausgangssituation erschien denkbar schwierig: Es gab beim Kreisverband weder ein Archiv noch eine durchgängige Dokumentation. Sogar das Gründungsdatum lag im Dunkeln. Erhard Bus begann damit, systematisch Mosaiksteinchen der Information zu sammeln und verschiedene Quellen zu erschließen. Inzwischen ist es ihm gelungen, aus den Mosaiksteinen ein facettenreiches Bild zu erstellen. Sein Manuskript umfasst bereits 220 Seiten. “Das ist deutlich mehr als wir am Anfang gedacht haben”, stellten Erhard Bus und DRK-Geschäftsführer Michael Kronberg bei einer Zwischenbilanz des Projektes fest.Im Herbst soll die Chronik als gebundenes Buch erscheinen. Ein Teil ist den geschichtlichen Daten und Entwicklungen gewidmet. 20 Zeitzeugenberichte eröffnen im zweiten Teil neue Perspektiven und dokumentieren die persönlichen Erinnerungen von Mitstreitern des Roten Kreuzes. Im Verlauf der Recherchen hat sich der gesamte Blickwinkel der Chronik erweitert. “Wir haben festgestellt, dass sich die Entwicklungen des Roten Kreuzes nicht allein an den Aktivitäten des Kreisverbandes festmachen lassen”, erläuterte Erhard Bus. Aus diesem Grund beleuchtet die Chronik nun die “Geschichte der Rot-Kreuz-Bewegung im Altkreis Gelnhausen”.
Der Kreisverband sei im Jahr 1868 entstanden. Das Buch beschreibe Facetten des gesamten Roten Kreuzes in der Region. Erhard Bus durchforstete das Stadtarchiv in Gelnhausen und das Staatsarchiv in Marburg. Er sichtete alte Zeitungsberichte und erhielt Unterstützung von der Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte Christine Raedler. Echte Schätze steuerte der ehemalige DRK-Mitarbeiter Dieter Malkmers bei. “Er hat schon vor Jahren den Wert alter Protokollbücher erkannt und sie vor der Entsorgung gerettet”, hob Michael Kronberg hervor. Die Bücher umfassen eine Zeitspanne von 1905 bis 1980 und stellen so eine echte Fundgrube dar. Auch im Bad Orber Ortsverband gab es umfassende Dokumentationen. Aus den Mosaiksteinchen formte sich ein immer deutlicher werdendes Bild. “Die Chronik reflektiert auch die Einflüsse der Politik”, informierte der Historiker. Das Rote Kreuz sei in der Vergangenheit oft stärker als andere Institutionen von der Politik instrumentalisiert worden. “Nicht ohne Grund hat sich das DRK die Selbstverpflichtung zur Unabhängigkeit auferlegt.” Eine wichtige Ergänzung der Chronik stellen die Zeitzeugenberichte dar.Frühere Rot-Kreuz-Schwestern, Angestellte des Roten Kreuzes, ehemalige Rettungsassistenten und langjährige Ehrenamtliche haben ihre Erlebnisse geschildert. Otto Lang aus Rothenbergen konnte sogar noch Erinnerungen an den ersten Weltkrieg beisteuern. Auch die Erfahrungen von Hans Rüger fließen in die Chronik ein. Der frühere Landrat engagierte sich von 1972 bis 1992 als Vorsitzender des Kreisverbandes. “Ich war dem Roten Kreuz schon immer sehr eng verbunden”, betonte der 84Jährige. Im Zweiten Weltkrieg sei er mehrmals verwundet worden und habe Hilfe durch das Rote Kreuz erfahren. “Diese Erfahrungen prägen und waren Motivation, die Arbeit aktiv mitzugestalten.” Als wichtige Entwicklung seiner Amtszeit nannte er die Umstellung der alten Krankentransportwagen auf moderne Rettungswagen. Dieser Prozess habe sich über Jahre hingezogen, die Finanzierung sei nicht immer leicht gewesen. Nicht gelungen sei ihm der Neubau einer Rettungswache, die damals mehr schlecht als recht im Kapellenweg untergebracht war. Geplant war ein Gebäude in der Nähe des Hallenbades. “Im Nachhinein war es gut, dass dieses Projekt gescheitert ist”, hob Rüger hervor. Das heutige Domizil biete beste Voraussetzungen. Der frühere DRK-Chef stellte außerdem die große Bedeutung der ehrenamtlichen Helfer heraus: “Es hat mich schon damals tief beeindruckt, wie engagiert diese Menschen aus innerer Überzeugung heraus gehandelt haben.” Geschäftsführer Michael Kronberg hat bei dem Projekt eng mit Erhard Bus zusammengearbeitet. “Wir stellen in der Chronik viele Verknüpfungen zur regionalen Geschichte her”, betonte er. Die Chronik, die mit vielen Bildern illustriert ist, erscheint mit einer Auflage von 2000 Stück. Sie soll im Buchhandel erhältlich sein und den Geschichtsvereinen der Region zugänglich gemacht werden. Aus der Arbeit für die Chronik hat sich für Erhard Bus ein neuer Auftrag entwickelt: Sobald das Buch fertig gestellt ist, baut er für das DRK ein Archiv auf, in dem alle gefundenen Dokumente, Schriften und Bilder einen Platz finden.
Bild oben: DRK Kreisverband
Text und Bild unten von Frau Ruth Woelke von der Gelnhäuser Neuen Zeitung