Und plötzlich waren sie da
Neujahrsempfang der DRK-Ortsvereinigung Vogelsberg

BIRSTEIN (an). "Plötzlich waren Flüchtlinge da, und plötzlich mussten Hilfsorganisationen bereit stehen. Das DRK war plötzlich gefordert - und wir waren da. Und so waren wir immer da." Mit diesen Worten begann Vorsitzender Heiner Kauck gestern Abend im DRK-Zentrum Birstein beim Neujahrsempfang der DRK-Ortsvereinigung Vogelsberg seine Ansprache. Er blickte darin auf das vergangene Jahr zurück.
Zahlreiche Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter Vertreter der Kreispolitik, der Kommunen Birstein, Brachttal und Wächtersbach, der Feuerwehren, der Ärzteschaft, der Apotheken und der heimischen Banken. Kauck erinnerte daran, dass bei der Betreuung der Flüchtlinge in der August-Schärttner-Halle in Hanau 180 Helfer tätig gewesen seien. In seiner Geschichte habe das Deutsche Rote Kreuz viele Höhen und Tiefen erlebt - "aber wir waren immer bereit für den Einsatz". Große Herausforderungen der vergangenen Jahre seien der Brand eines Altenheims in Birstein, der Transport von Hilfsgütern nach der Wende nach Moskau und die Flutkatastrophe im Osten gewesen. "Immer wieder waren wir bereit für den Einsatz", wiederholte der Vorsitzende.
Im DRK-Kreisverband seien ständig 70 Rettungssanitäter im Einsatz, hinter diesem Schichtsystem stecke eine logistische Meisterleistung. "Das ist der Geist, der uns auszeichnet." Das gelte auch für den ambulanten Pflegedienst des DRK, der vor 20 Jahren die Sozialstation der Gemeinde Birstein übernahm. Überhaupt habe die DRK-Ortsvereinigung Vogelsberg Fachdienste und Abteilungen aus verschiedenen Ecken, darunter auch die Wasserwacht, die Bergwacht und das Musik- und Showcorps. Auch materiell habe sich das DRK in Birstein erheblich verbessert. 1957 habe es noch ein Vermögen von 100 D-Mark gehabt - heute stellten die Einrichtungen und Fahrzeuge in Birstein und Brachttal einen Wert von rund einer Million Euro dar. Kauck rief dazu auf, immer wieder für das DRK zu werben, denn: "Wir brauchen Mitmenschen, die mitwirken." Die DRK-Mitglieder sollten die Menschen immer wieder persönlich ansprechen. "Wir brauchen jeden von uns, dann werden wir auch alle Aufgaben erfüllen können. Wir im Roten Kreuz setzen uns Ziele und schaffen es." Plötzlich könne man gebraucht werden, denn "die Katastrophe kündigt sich nicht an - sie ist plötzlich da".
Kreis-Gesundheitsdezernent Matthias Zach, der auch einen Scheck mitgebracht hatte, ging ebenfalls auf die Flüchtlingsfrage ein. Noch vor fünf Jahren hätte niemand damit rechnen können. "Da ist Entschlossenheit der halbe Weg zur Rettung." In knapp sechs Wochen seien in Hanau 3000 Flüchtlinge versorgt worden, momentan gebe es 4800 im Main-Kinzig-Kreis. "Das konnten wir nur mit der Entschlossenheit der ehrenamtlichen Kräfte schaffen." Neue Herausforderungen gebe es nach den Ereignissen in Köln und nach dem Mord in Hanau. "Hier wird sich der Rechtsstaat beweisen müssen", sagte Zach. "Wir müssen uns an dieser Stelle wehrhaft zeigen."
Die Zusammenarbeit mit allen Hilfsorganisationen laufe nach wie vor hervorragend", lobte Birsteins Bürgermeister Wolfgang Gottlieb, der auch im Namen der Gremien aus Brachttal und Wächtersbach grüßte. Auch für die Gemeinde sei die Flüchtlingsfrage etwas überraschend gekommen, derzeit lebten 80 in der Gemeinde Birstein. Der Rathauschef dankte allen ehrenamtlichen Helfern. "Ohne sie würden wir im Chaos versinken." Zum Glück gebe es in Birstein keine Gemeinschaftsunterkünfte, was die Integration sehr erleichtere.
Erfolgsgeheimnis des DRK
Brachttals Gemeindebrandinspektor Alexander Grieb dankte ebenfalls für die gute Zusammenarbeit. In Hanau habe man gesehen, wie gut das Zusammenspiel der Hilfsorganisationen funktioniert. Und DRK-Kreisgeschäftsführer Michael Kronberg ergänzte: "Nur so funktioniert es, wenn Haupt- und Ehrenamt an einem Strang ziehen. Das ist das Erfolgsgeheimnis des DRK."
Abschließend ging Abteilungsleiter Werner Schultheis auf die Aufgaben und die Arbeit der DRK-Bergwacht ein. Die Arbeit bestehe aus drei Säulen: Naturschutz, Sommerrettung am Berg und Winterrettung auf der Piste. Die Bergwacht verfüge in Birstein über zwei Fahrzeuge - einen VW-Transporter und ein Quad mit Spezialanhänger. Mittlerweile seien neue Aufgaben dazu gekommen, so Schultheis, nämlich die Rettung von verunglückten Mountainbikern und Läufern aus unwegsamem Gelände. Zusätzlich zur normalen Sanitäterausbildung absolvierten die Mitglieder der Bergwacht eine fachliche Ausbildung. Erfreulich sei, dass es in Birstein seit den 70er Jahren eine Jugendgruppe der Bergwacht gebe.
Der Bericht wurde im Gelnhäuser Tageblatt vom 12.01. veröffentlicht
das Bild stammt von Frank Schäfer/Gelnhäuser Tageblatt.